Verantwortlich dafür zeichnet nicht zuletzt seine Mutter Luise. Am 17. April 1951 in Hamm geboren und ebenda aufgewachsen, ist Horst vor Ulla (*1953), Herbert (*1955), Gilla (*1957) und Nachzügler Jürgen (*1964) das älteste von fünf Kindern im Hause Hrubesch. Wohlgemerkt mit eindeutig vorgelebten Normen und Werten seitens seiner Mutter. „Sie hat sich immer gegen sich und für uns Kinder entschieden. Ich weiß nicht, was aus uns geworden wäre ohne sie“, sagt Hrubesch, der schon mit 13 Jahren der „Mann im Haus“ ist, als sein Vater die Familie verlässt. Seine Schwester Ulla erinnert sich: „Horst hat früh die Rolle des Ältesten angenommen. Er opferte sich nicht auf wie Mama, aber er ging voran und hatte uns alle im Blick.“
Vorangehen, anpacken oder „machen und tun“ – wie er heute so schön zu sagen pflegt – ist schon in frühen Jahren Hrubeschs Credo. Und zwar auf und abseits des Platzes. Kein Wunder, dass er sich als Jugendlicher auch im zweiten großen Volkssport der Deutschen, dem Handball, ausprobiert und noch heute davon schwärmt: „Das ist ein richtig geiler Sport – es ist eng, es ist kompakt, es ist Körperkontakt.“ Körperliche Anstrengung, die steht auch abseits des Platzes im Fokus: Eine Lehre zum Fliesenleger muss Hrubesch wegen einer Zementallergie vorzeitig abbrechen, die zweijährige Lehre zum Dachdecker zieht der Volksschul-Absolvent dann aber eisenhart durch und schlussfolgert noch heute: „Es prägt, wenn du weißt, was Arbeit ist. Verglichen damit ist ein Job im Fußball paradiesisch.“
Arbeit ist zugleich auch beim Fußball sein Stichwort. Hrubesch, der auf dem Bolzplatz wie Idol Uwe Seeler sein will, dessen Spielweise aber nur aus dem Radio kennt, arbeitet diesen Sport. Er ist kein Schönspieler, kein filigraner Techniker, aber ein unnachgiebiger Besserwerder. Eben ein Brecher, der selbst nicht zu brechen ist. So verwundert es auch nicht, dass die Fußballlaufbahn des Blondschopfs erst etwas verzögert an Fahrt aufnimmt, letztlich aber in einem Format von Weltklasse endet. Angefangen in der Jugend beim 1. FC Pelkum geht’s über Germania Hamm, die Hammer SpVg und den SC Westtünnen erst mit 24 Jahren in den Profifußball. Doch beim damaligen Bundesligisten Rot-Weiss Essen stellt Hrubesch gleich in seiner Premierensaison 1975/76 mit 18 Treffern seine Torjägerqualitäten unter Beweis. Zwei weitere Spielzeiten im Herzen des Ruhrgebiets folgen, darunter seine fulminante Saison 1977/78, als er mit 42 Toren einen bis heute unerreichten Zweitliga-Rekord aufstellt.
Im Sommer 1978 ist dann eigentlich schon ein Wechsel zu Eintracht Frankfurt fix. Doch die Hessen halten sich nicht an die mündliche Absprache, mit der Verkündung des Transfers bis nach den Essener Relegationsspielen gegen Nürnberg zu warten. Hrubesch – ein Mann, ein Wort – ist darüber so verärgert, dass er seine bereits getätigte Vertragsunterschrift als nichtig ansieht. Der HSV mit Manager Günter Netzer grätscht in diese Gemengelage rein und schafft es tatsächlich, den begehrten Torjäger zugunsten einer Entschädigung in Form eines „Ablösespiels“ mit einer Garantiesumme von 250.000 Mark noch aus Frankfurt nach Hamburg zu lotsen. Der Rest dieser zugegebenermaßen fast märchenhaften Erzählung ist Geschichte, denn Hrubesch und der HSV sowie Horst und Hamburg passen – nach kleineren Anlaufschwierigkeiten – wie das Fischbrötchen zum Norden. Es folgen von 1978 bis 1983 fünf Jahre voller Titel, Tore und Triumphe.
In diesen fünf Jahren HSV liefert Hrubesch unzählige Momente für die Ewigkeit: Unfassbar viele wichtige Tore – allein 38-mal erzielt er das 1:0, 37-mal das Siegtor, darunter unvergessen das legendäre 4:3 im April 1982 im Münchner Olympiastadion (siehe Foto). HSV-Fans sehen ihn noch heute bei seinen Toren jubeln. Und zwar mit seiner stracks einfach gehaltenen und doch so unverwechselbaren Jubelpose: Lächeln im Gesicht, dazu der erhobene Zeigefinger oder die ausgestreckte Faust. Ein typischer Hrubesch, frei geraderaus. So sprach er auch und füllte damit gefühlt gleich ein ganzes Buch an Fußballzitaten: „Ich brauch’, glaube ich, nur dieses eine Wort sagen: Herzlichen Dank!“, „Manni Banane, ich Kopf – Tor!“ oder „Da hab ich gedacht, ich tu’ ihn ihm rein in ihm sein Tor“, um nur einige zu nennen.