Der Hamburger SV ist zurück in der Bundes­liga. Die Saison 2024/25 geht in die Club-Chroniken ein. Denn erst­mals feiert der HSV einen Auf­stieg – und dann noch einen so lang er­sehnten. HSVlive blickt Spieltag für Spiel­tag auf eine ebenso außer­gewöhnliche wie histo­rische Spiel­zeit zurück.

Zweitliga-Saison 2024/25 – für den HSV, einst Gründungs­mit­glied der Bundes­liga im Jahr 1963 und als stolzer „Dino“ fast 55 Jahre lang deren Inventar, war es bereits das siebte Jahr in der Zweit­klassig­keit. Was als ein­maliges Abenteuer starten und nach einem Jahr enden sollte, entpuppte sich als ein nie enden wollender Teufels­kreis. Viermal Vierter, zweimal Dritter, mit­unter drama­tisch gescheitert in Sandhausen oder der Relegation. Doch ausge­rechnet im verflixten siebten Jahr, als der HSV im Teilnehmerfeld 2024/25 die längste Zweitliga-Zuge­hörig­keit am Stück vor­weisen konnte und damit erneut zum Dino mutierte, gelang der lang­er­sehnte Durch­bruch. End­lich. Und das aus­gerechnet mit einem Hamburger Jung, der vier der voran­gegangen sechs Jahre als Co-Trainer in zweiter Reihe mitge­macht hatte, an vorderster Front: Merlin Polzin. Der 34-Jährige übernahm die Rot­hosen zum 14. Spieltag auf Tabellen­platz 8 und führte die Mann­schaft mit seinen Trainerkollegen Loic Fave und Richard Krohn zum Saisonende auf einen direkten Aufstiegs­platz und damit zurück ins gelobte Land. Endlich. Denn nach 162 seiner insgesamt 238 Zweit­liga-Spiel­tage, also mehr als zwei Dritteln, stand der HSV auf einem direkten oder in­direkten Auf­stiegs­platz. 52-mal als Tabellen­führer (= 21,8%), 64-mal und zum Glück auch nach dem 34. Spieltag dieser Saison als Zweiter (= 26,9%) sowie 46-mal auf Relegations­rang 3 (= 19,3%). Ledig­lich dreimal rangierte man in der unteren Tabellen­hälfte, wobei ein einziges Mal, nämlich nach dem aller­ersten Spiel, die rote Laterne des Schluss­lichts ange­knipst wurde.

Keine Frage, dieser Aufstieg fühlte sich nicht für alle HSVer, sondern auch weite Teile Fußballdeutschlands längst überfällig an. Nur so sind die schiere Be­geisterung rund um den 10. Mai – dem Tag des Aufstiegs – sowie den 19. Mai – dem Tag der großen Aufstiegs­feier in Hamburg mit 80.000 Menschen – zu erklären. HSVlive hat jene für den HSV historische Zweit­liga-Saison 2024/25 in einem Saison­rück­blick nochmals zusammen­gefasst – mit all ihren Höhen und Tiefen und ganz vielen Geschichten.

1. Spieltag

Fr., 02.08.2024 | 20.30 Uhr | Rhein­Energie­Stadion

1. FC Köln

1:2

(0:1)

Hamburger SV

AUFTAKT NACH MASS

Zum Start der Saison haben sich die Spiel­plan-Tüftler der DFL etwas Besonderes aus­gedacht: Mit dem 1. FC Köln und dem HSV bitten sie zwei der größten deutschen Traditions­vereine zum Eröffnungs­tanz. Und die beiden Aufstiegs­aspiranten lassen sich nicht lumpen und sorgen am Freitag­abend im aus­verkauften Rhein­Energie­Stadion für reichlich Spektakel. Den besseren Start hat hierbei der HSV, der zwar in der Anfangs­phase einiges über sich ergehen lassen muss und hierbei auch ein Stück weit mit Fortuna im Bunde ist, dann aber dennoch früh durch Ransford Königsdörffer und dessen Ab­stauber in Führung geht. Und es läuft weiter rund für die Hamburger, die gegen stürmische Kölner noch im Verlauf der ersten Hälfte durch einen fantas­tischen Kopf­ball auf 2:0 erhöhen. Tor­schütze: Erneut Königsdörffer, der den HSV nach Flanke von Neu­zugang Adam Karabec in eine komfortable Position bringt. Wie wichtig diese ist, zeigt die zweite Hälfte, in der der FC noch mehr drängt und drückt, durch Joker Linton Maina auch noch zum 1:2-Anschluss­treffer kommt, sich in der Schluss­phase aber an der Hamburger Deckung und Keeper Daniel Heuer Fernandes die Zähne aus­beißt. So dürfen nach 90 Minuten, die einem mit Hoch­spannung erwarteten Eröffnungs­spiel absolut würdig sind und einen passenden Start in diese neue Spiel­zeit darstellen, die Rothosen mit ihren rund 6.000 mitge­reisten Fans den perfekten Start in die Saison 2024/25 feiern.

1. FC Köln: Urbig – Thielmann, Hübers, Pauli (87. Heintz), Paqarada – Martel, Ljubicic, Husein­basic (87. Obuz), Wald­schmidt (57. Adamyan) – Downs (57. Maina), Lemperle (76. Dietz)

Hamburger SV: Heuer Fernan­des – Hadzika­dunic, Schonlau, Muheim – Jatta (90.+1 Mikel­brencis), Elfadli, Meffert, Dompe (65. Öztunali), Karabec (65. Balde), Reis (83. Heyer) – Königs­dörffer (90.+1 Selke)

Tore: 0:1 Königs­dörffer (6.), 0:2 Königs­dörffer (35.), 1:2 Maina (78.)

Zuschauer: 50.000 (ausver­kauft)

Schiedsrichter: Dr. Max Burda (Berlin)

x-Goals: 2,72:1,66

Torschüsse: 28:10

Chancen: 7:3

Ecken: 6:3

Ballbesitz: 60:40 %

Zweikämpfe: 38:62 %

Laufleistung: 126,19:124,38 km

Fouls: 23 (17:6)

GK: 4 (2:2)

Zahl des Tages:

100. 

HSV-Zweit­liga-Sieg im 205. Spiel. In der Bundes­liga fällt diese Marke erst im 278. Anlauf (11/1971, 3:2 bei Hannover 96). Gegen 33 seiner 34 Zweit­liga-Kontra­henten geht der HSV mindes­tens einmal als Sieger vom Platz, am häufigsten vs. Nürn­berg (8x); lediglich vs. Union Berlin gelingt 2018/19 kein Dreier.

Stimme zum Spiel:

»Wenn du beim Eff­zeh gewinnen willst, musst du genau so spielen.«

– Davie Selke

2. Spieltag

Sa., 10.08.2024 | 20.30 Uhr | Volkspark­stadion

Hamburger SV

1:1

(1:0)

Hertha BSC

Verpasster Fabel­start

Freitag­abend in Köln mit einem Dreier in die Saison gestartet, wollen die Hamburger eine Woche später erneut unter Flut­licht nach­legen. Und wieder geht es an diesem Sonn­abend um 20.30 Uhr gegen einen großen Traditions­verein, der ein gewichtiges Wörtchen um den Auf­stieg mitreden möchte: Hertha BSC. Im aus­verkauften Volks­park­stadion ist erneut der Gegner zu Beginn das gefähr­lichere Team, doch genau wie eine Woche zuvor ist auch dieses Mal wieder einer zur Stelle, der das Spiel auf die eigene Seite zieht: Ransford Königs­dörffer: Erneut ist „Ransi“ per Kopf da, nickt eine Flanke von Bakery Jatta ein und sorgt für die 1:0-Führung, die gegen einen an diesem Abend ebenbürtigen Gegner allerdings nicht zum zweiten Saison­sieg und damit einem fabel­haften Start in diese neue Saison reichen soll. Auch deshalb, weil im Vergleich zum Auswärts­sieg in Köln dieses Mal Fortuna nicht auf Seiten der Hamburger steht. Denn als Immanuel Pherai in der 85. Minute Pech hat, mit seinem Frei­stoß am Pfosten scheitert und so denkbar knapp das 2:0 verpasst, da gesellt sich wenige Sekunden später zum Pech auch noch ganz viel Un­glück hinzu: Im Gegen­zug nämlich schlagen die Berliner zu und kommen so kurz vor Spielende noch zum 1:1-Ausgleich. Somit steht nach dieser insge­samt leistungs­gerechten Punkte­teilung am Ende ein Vier-Punkte-Start für die Rot­hosen zu Buche.

Hamburger SV: Heuer Fernandes – Hadzika­dunic, Schon­lau, Muheim – Jatta (67. Hefti), Elfadli (83. Ramos), Meffert, Dompe (71. Selke), Karabec (83. Balde), Reis (67. Pherai) – Königs­dörffer

Hertha BSC: Ernst – Kenny, Gechter (64. Leistner), Kempf, Dudziak (46. Zeefuik) – Karbow­nik (76. M. Dardai), Demme, Maza – Winkler (90.+2 Christen­sen), Taba­kovic, Scher­hant (76. Schuler)

Tore: 1:0 Königsdörffer (11.), 1:1 Kenny (86.)

Zuschauer: 57.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Timo Gerach (Landau)

x-Goals: 1,09:0,56

Torschüsse: 11:13

Chancen: 5:5

Ecken: 9:11

Ballbesitz: 41:59 %

Zweikämpfe: 44:56 %

Laufleistung: 113,59:111,53 km

Fouls: 16 (9:7)

GK: 4 (2:2)

Zahl des Tages:

20.30

Uhr Prime-Time, Flut­licht, Live-Übertragung im Free-TV bei Sport1, die große Bühne: Acht­mal wählt der Sender 2024/25 eine Partie mit HSV-Beteiligung für sein exponiertes Top-Spiel am späten Sonn­abend aus – Höchst­wert! Die Bilanz: 4 Siege, 4 Remis, keine Nieder­lage – ebenfalls top und absolut zeigens­wert!

Stimme zum Spiel:

»Das tut weh. Wir hätten es so spät konse­quenter vertei­digen müssen.«

– Daniel Elfadli

3. Spieltag

Fr., 23.08.2024 | 18.30 Uhr | Heinz von Heiden Arena

Hannover 96

1:0

(0:0)

Hamburger SV

Gebrauch­ter Tag

Im Fußball gibt es ja diese Tage zum Vergessen. Die Tage, an denen nichts zusammen­läuft, nichts klappt und nichts so ist, wie es sein sollte. Einen solchen Tag er­wischt der HSV in seinem dritten Abend­spiel der Saison. Dieses Mal sind die Rot­hosen bei den Roten in Hannover zu Gast, und irgend­wie spürt man von Beginn an, dass dies nicht der Abend des HSV ist. Dabei waren die Hamburger mit breiter Brust nach Nieder­sachsen gereist, wo sie schon am Wochen­ende zuvor aktiv gewesen waren, nämlich im DFB-Pokal. In der ersten Pokal­runde gastierte man beim Regional­ligisten SV Meppen, rund 170 Kilometer von Hannover entfernt, und über­zeugte beim deutlichen 7:1-Erfolg. Doch die Rück­kehr ins benach­barte Bundes­land gestaltet sich deutlich uner­freulicher, denn in Hannover bekommen die Rot­hosen lange Zeit kein Bein auf den Boden, haben im ersten Durch­gang aber zumindest noch Glück, dass das vermeint­liche 1:0 der 96er noch zurück­genommen wurde. Im zweiten Durch­gang aber mutiert dann Kapitän Sebastian Schonlau zum großen Pech­vogel: Erst sorgt sein Foul­spiel für den Elfmeter, der das 0:1 aus Hamburger Sicht bedeutet, ehe er kurz vor Schluss per Kopf knapp am 1:0 scheitert und in der Nach­spiel­zeit auch noch mit Gelb-Rot vom Platz fliegt. Ein ge­brauchter Tag also für den HSV, der somit nach drei Spielen je einen Sieg, ein Remis und eine Nieder­lage verbucht.

Hannover 96: Zieler – Muroya, Neumann, Halstenberg (76. Knight), Dehm – Christian­sen, Leopold, Lee (72. Vogl­sammer), Nielsen (90. Kunze), Rochelt (90. Ezeh) – Ngan­kam (72. Tresoldi)

Hamburger SV: Heuer Fernandes – Hefti (88. Oliveira), Hadzika­dunic, Schonlau, Muheim – Meffert, Reis (71. Poreba), Pherai – Karabec (88. Öztunali), Selke (70. Glatzel), Königs­dörffer (78. Balde)

Tore: 1:0 Ngankam (49., FE)

Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Patrick Alt (Illingen)

Besonderes Vorkommnis: Platzverweis Schonlau (90.+3, Gelb-Rote Karte)

x-Goals: 1,11:0,69

Torschüsse: 9:10

Chancen: 2:3

Ecken: 1:3

Ballbesitz: 47:53 %

Zweikämpfe: 43:57 %

Laufleistung: 112,56:111,19 km

Fouls: 36 (18:18)

GK: 6 (4:2), GR: 1 (0:1)

Zahl des Tages:

100.

HSV-Zweitliga-Spiel für Jonas Meffert. In die Dreistelligkeit schrauben ihre persönliche Einsatzstatistik im weiteren Saisonverlauf zudem noch Ludovit Reis (10. Spieltag vs. Elversberg), Miro Muheim (18. vs. Köln) und Kapitän Sebastian Schonlau (29. vs. Braunschweig).

Stimme zum Spiel:

»Wir sind zu viel hinter­her­gelaufen.«

– Immanuel Pherai