Euphorie & Emotion:

Volks­park-Fuß­ball für die Ewig­keit

Das Volks­park­stadion hat in seiner Historie viele besondere Momente erlebt, rauschende Feste, emo­tionale Achter­bahn­fahrten oder ganz schlicht und er­greifend: Fuß­ball pur. 15 Spiele für die Ewig­keit – eine Aus­wahl denk­würdiger Volks­park-Erinnerungen.

Top-Listen, Aus­wahlen aus einer Fülle von Möglich­keiten, sind ja immer so ein ganz spezielles Ding. Persön­liches Empfinden, Geschmacks­sache, durchaus frag­würdig. In diesem Text, das war daher sofort klar, sind das Scheitern und die Kritik zum er­arbeiteten Ergebnis bereits programmiert und einge­preist.

Erstaun­lich indes: Die Diskussionen gingen schon los, ehe die Druck­maschinen für dieses HSVlive-Magazin über­haupt rotierten. Bereits die Definition des Arbeits­titels erwies sich als knifflig: Die besten Spiele? Die größten? Die bedeut­samsten? Die emotionalsten? Nehmen wir nur Jubel­tage, sprich: rauschende Siege der Gastgeber? Und: wie viele? Zehn ist doch eine gute Zahl! Schnell wird klar: Un­möglich! Man könnte ganz locker 100 Spiele finden, ja ein ganzes Buch darüber schreiben.

Aber: Wir haben nur sechs Seiten. Der Kompromiss, der hier keines­falls ein „fauler“, sondern mit Fleiß und unter Einsatz maximalen Gehirn­schmalzes zustande gekommen ist: 15 Spiele, relativ gut verteilt auf die fast 100-jährige Stadion-Geschichte; neun davon mit HSV-Beteili­gung, dazu je drei Auftritte der National­elf und drei völlig ohne „ein­heimische“ Mit­wirkung.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen, Erinnern und Gänse­haut-Re­produzieren und freuen uns schon auf Zu­schriften und Hin­weise, wie wir denn – um Himmels willen und in Fuß­ball­gottes Namen – diese oder jene epische Partie bloß vergessen bzw. nicht berück­sichtigen konnten.

29. Juli 1928
Deutsche Meister­schaft, Finale:


Hamburger SV – Hertha BSC 5:2 (3:1)

„Neutraler Platz? Von wejen! Ick glob mir laust der Affe, wa!“ Die An­hänger der Berliner Hertha sind alles andere als amüsiert über die Wahl des End­spiel­orts und unter den Zuschauern im damals noch eigen­ständigen Altona klar in der Minder­heit. Geschätzte 42.000 – zeit­genös­sische Quellen sprechen gar von 50.000 – drängen sich bis dicht ans Spiel­feld, ein Tornetz wird von einer Menschen­traube völlig einge­drückt. Kein Platz mehr für Assistenten, die damals noch „Linien­richter“ hießen, akute Kollisions­gefahr für Schienen­spieler, die man damals noch „Außen“ nannte. Berittene Polizei muss die Massen ordnen und schließ­lich den Zutritt zur Anlage wegen Über­füllung sperren – „Brown-Horse-Final in Bahren­field“. Der HSV agiert im „Husaren­stil“ gegen die „Berliner Fein­mechanik“. Ihm gelingt rund sechs Kilometer Luft­linie von seiner Heimat am Rothen­baum entfernt ein Raketen­start: 3:0 nach nur 20 Minuten! Nach der Pause: 4:1 und 5:1, am Ende ein deutliches 5:2, das das Fach­blatt „Turnen, Spiel und Sport“ jubeln lässt: „So kämpferisch, so frisch und so ziel­strebig, so begeistert wünscht man sich den H.S.V.!“

22. Mai 1949
Nord­deutsche Meister­schaft, Ent­scheidungs­spiel:


Hamburger SV – FC St. Pauli 5:3 (1:2)

Noch ein Finale. Dies­mal um den Nord-Titel. Und dies­mal ist der Altonaer Volkspark, obwohl schon „einge­meindet“, sowohl für die „Rothenbaumer“ als auch die „Mannen vom Millern­tor“ wirklich ein „neutraler“ Ort. Die Punktspielrunde, in der Braun-Weiß zweimal triumphiert (2:0 und 2:1), beenden beide Teams nach 22 Spielen gleich­auf mit 32 Zählern. Ein Ent­scheidungs­spiel ist fällig. 42.000 dürfen dabei sein und bereuen ihr Kommen nicht. Ange­führt von ihren Kapitänen Karl Miller (St. Pauli, l., auf dem Titel des „Sport Magazins“) und Heinz Spund­flasche (HSV, r.) und unter der Leitung des legen­dären englischen Referees Captain Eddie Crane (M.) zeigen die Teams ein denk­würdiges Spiel, das die Rot­hosen trotz 0:2-Rück­stands noch für sich entscheiden. Die Sport­journa­listen adeln das Duell und seine Prota­gonisten rück­blickend: „Sauber in der Gesinnung, ehrlich im Kampf, neid­los in der Nieder­lage, bescheiden nach dem Sieg!“

29. Juli 1928
Deutsche Meister­schaft, Finale:


Hannover 96 – 1. FC Kaisers­lautern 5:1 (1:1)

Verrückt: Einmal in 16 Spiel­zeiten der Oberliga Nord zwischen 1947 und 1963 holt der HSV nicht den Titel und verpasst deshalb auch die Quali für die DM-Endrunde. Und aus­gerechnet dann steigt das große Finale im Volks­park­stadion. Das erlebt jedoch auch ohne HSV-Mitwirkung Uner­hörtes, nämlich die „Sensation vor dem Wunder“: Titel­verteidiger und Top-Favorit 1. FC Kaisers­lautern geht gegen Hannover 96 mit 1:5 baden. In Reihen der Pfälzer stehen mit Fritz Walter, Werner Kohlmeyer, Horst Eckel, Werner Liebrich und Ottmar Walter gleich fünf National­spieler, die kurz darauf zur WM in die Schweiz fahren. Höhnische „Her-ber-ger, Her-ber-ger“- Sprech­chöre hallen durchs Rund und üben Kritik am WM-Aufgebot des amtierenden Bundes­trainers. Dem schließt sich in der Nach­schau auch das Nach­richten­magazin „Der Spiegel“ an und schreibt: „Herberger ist in ein paar über­alterte, von Hannover abge­strafte Trottel aus Kaisers­lautern verliebt – vermutlich ihres katholischen Glaubens wegen.“ Doch der „Fuß­ball­weise aus Hochen­sachsen“ soll mit seiner Aus­wahl recht behalten. Denn sechs Wochen später sorgen das FCK-Quintett und die rest­lichen deutschen Aus­wahl­spieler für das „Wunder von Bern“ und holen Deutsch­lands ersten WM-Titel.

15. März 1961
Europa­pokal der Landes­meister, Viertel­final-Rück­spiel:


Hamburger SV – FC Burnley 4:1 (2:0)

Der HSV ist als Deutscher Meister im Europa­pokal der Landes­meister 1960/61 erst­mals europäisch unter­wegs und produziert dabei Legen­däres. Besonders das Viertel­finale gegen den englischen Champion FC Burnley hat es in sich. Nach einer 1:3-Nieder­lage im Hinspiel in Lanca­shire hoffen 72.000 im Volks­park­stadion auf die Sensation. Sie werden nicht ent­täuscht: Klaus Stürmer bringt den HSV bereits nach acht Minuten per Flug­kopf­ball in Führung, Uwe Seeler stellt kurz vor der Halb­zeit auf 2:0. Das Weiter­kommen ist zum Greifen nah, die Stimmung auf den Rängen euphorisch bis ekstatisch. Sie wird durch Burnleys Anschluss­treffer nur kurz getrübt, denn in Windes­eile sorgen Charly Dörfel mit „Düsen­zeitalter-Geschwindig­keit“ („Daily Express“) und erneut Seeler (Foto) für die benötigte Drei-Tore-Führung und verwandeln den Volks­park in ein wahres Toll­haus. Im Halb­finale wartet der FC Barce­lona, der sich letztlich in drei ebenfalls drama­tischen Partien inkl. Entscheidungs­spiel durch­setzt.

20. Oktober 1962
Gesell­schafts­spiel:


Hamburger SV – FC Santos 3:3 (2:1)

Ende der 1950er-/Anfang der 1960-Jahre avanciert das Volks­park­stadion zum „Wohn­zimmer der Welt­klasse“. Manchester United, Real Madrid, FC Barcelona, Benfica Lissabon, Peñarol Montevideo – der HSV lädt sich regel­mäßig inter­nationale Spitzen­clubs zu „Gesellschafts­spielen“ ein und zieht dafür vom Rothen­baum nach Bahren­feld um. Im Herbst 1962 folgt dabei auch der FC Santos dem Lockruf aus Hamburg. Fuß­ball­fans aus ganz Deutsch­land jagen nach den 71.000 Eintritts­karten, die inner­halb von 24 Stunden ver­griffen sind. Jeder will den amtierender Welt­pokal­sieger, der neben dem damals gerade 22-jährigen Wunder­stürmer Pelé mit vier weiteren frisch­gebackenen Welt­meistern (Mengalvio, Coutinho, Pepe, Mauro) anreist, einmal live erleben. Pelé wird seinem Ruf letzt­lich gerecht und trifft zwei­mal ins Schwarze. Gleich­zeitig wird der Super­star von Jürgen Werner aber auch so eng und gut bewacht, dass er nach dem Spiel voll des Lobes für seinen Gegen­spieler ist: „So schlecht habe ich noch nie aus­gesehen wie gegen diesen langen Blonden.“ Am 5. Mai 1963 treffen Pelé für Brasilien und Werner für Deutsch­land in einem Länder­spiel übrigens noch einmal im Volks­park­stadion auf­einander. Werner markiert per Elf­meter die 1:0-Führung, Pelé sorgt für den 1:2-Endstand.

22. Oktober 1969
WM-Qualifi­kation:


BR Deutsch­land – Schott­land 3:2 (1:1)

„Do or die!“ – so lautet das Motto für die National­mann­schaft vor dem ab­schließenden WM-Qualifikations­spiel gegen die bis dato unge­schlagenen Schotten. Um sicher zur End­runde nach Mexiko zu fahren, braucht es einen Sieg. Erst­mal heißt es „die“, denn die DFB-Aus­wahl muss richtig leiden (und zittern): 0:1 schon nach drei Minuten, 2:2 in der 62., und die Schotten geben nicht klein bei. Ganz im Gegen­teil: Sie hauen rein. Alles, was geht und erlaubt bzw. auch nicht erlaubt ist. Vor allem Willi Schulz bekommt das gegen Rau­bein Alan Gilzean zu spüren. Ein archaisches Hau­degen-Duell mit Haken und Ösen. Erst Reinhard „Stan“ Libuda erlöst mit seinem Treffer die 72.000 und die Millionen vor den TV-Bildschirmen. „Done!“ Es ist das Tor nach Mexiko – und dort zu weiteren unver­gesslichen „Jahrhundert­spielen“ im Viertel­finale gegen England (3:2 n.V.) und im Halb­finale gegen Italien (3:4 n.V.).

22. Juni 1974
Welt­meister­schaft, Vorrunde:

BR Deutschland – Deutsche Demo­kratische Republik 0:1 (0:0)

Das legendäre „Spar­wasser-Tor“: Das einzige deutsch-deutsche Duell der Fuß­ball-Geschichte steigt bei der WM 1974 im Volks­park­stadion. Das Spiel „Wir gegen uns“ hält eine absolute Sensation parat, denn entgegen aller Erwar­tungen düpiert die DDR-Aus­wahl den „großen Bruder“, den amtierenden Europa­meister und absoluten WM-Favoriten BRD, und sichert sich damit den Sieg in der Vorrunden-Gruppe I. Gefeier­ter Held ist Jürgen Spar­wasser, der in der 77. Minute zum 1:0-End­stand ein­schießt und sich damit un­sterb­lich macht. „Wenn auf meinem Grab­stein später nur ,Hamburg 1974‘ stehen würde, wüsste jeder, wer da­runter liegt“, ist sich der goldene Tor­schütze schon bald der Trag­weite seines historischen Treffers bewusst. Für die DFB-Auswahl ist die 0:1-Pleite heilsam. Die Mann­schaft rutscht nicht nur in die leichtere Zwischen­runden-Gruppe, sondern wird auch entscheidend umge­stellt und holt schließlich mit einem 2:1-Final­sieg über die Nieder­lande den zweiten WM-Titel nach Deutschland.

23. April 1980
Europa­pokal der Landes­meister, Halb­final-Rück­spiel:


Hamburger SV – Real Madrid 5:1 (4:1)

Eine Europa­cup-Stern­stunde sonder­gleichen: Im Halb­final-Rück­spiel des Landes­meister-Wett­be­werbs muss der HSV gegen Real Madrid einen 0:2-Rück­stand wett­machen. Gegen die „König­lichen“, die zwei Wochen zuvor das Hin­spiel in allen Belangen dominiert und fast zu niedrig ge­wonnen hatten, ein nahe­zu un­mög­liches Unter­fangen. Doch vor 61.000 Zu­schauern gelingt das Fuß­ball-Wunder. Und wie! Nach Treffern von Man­fred Kaltz (10., FE + 41.) und Horst Hrubesch (17. + 45., Foto) geht es bereits zum Pausen­pfiff mit 4:1 in die Kabine. Spannend bleibt es dennoch bis zum Schluss, weil Real aufgrund der Aus­wärts­tor­regel im Rennen bleibt und ledig­lich einen Treffer zum Final­ein­zug benötigt. Ein weiteres Tor er­zielt aber nur der HSV durch Caspar Memering (90.) und fährt damit zum End­spiel nach Madrid. Dort unter­liegt das Team von Branko Zebec einen Monat später mit 0:1 gegen Notting­ham Forest.

21. Juni 1988
Europa­meister­schaft, Halb­finale:


BR Deutsch­land – Nieder­lande 1:2 (0:0)

Traum geplatzt! Aus­gerechnet im Volks­park! Im Halb­finale der Heim-EM unter­liegt Deutsch­land dem großen Nach­bar­schafts­rivalen in buch­stäb­lich letzter Minute mit 1:2. Das Spiel ist sportlich („Revanche fürs WM-Finale 1974“) und politisch („Revanche für den 2. Welt­krieg“) extrem auf­geladen. Ent­sprechend hitzig und ver­bissen geht es auch auf dem Rasen zur Sache. Im Fokus dabei das Duell zwischen DFB-Innen­verteidiger Jürgen Kohler und KNVB-Tor­jäger Marco van Basten: Wie ein Ketten­hund bewacht der „Kokser“ den „Knipser“. Doch zwei­mal er­wischt das hollän­dische Schlitz­ohr dann doch, und zweimal landet der Ball an­schließend im Netz. Deutsch­land sagt ent­täuscht „Tschüs“, und nicht nur Frank Mill mosert Richtung Publikum: „Es wäre schön gewesen, wenn wir heute ein Heim­spiel gehabt hätten.“ Die Nieder­lande hingegen tanzt ausge­lassen wie nie: „Hup, Holland, hup!“ Ronald Koeman wischt sich mit dem Trikot, das er von Olaf Thon er­tauscht hat, symbolisch den Hintern ab, ein hol­ländischer Radio­reporter lässt auf der Presse­tribüne seine Hose herunter und streckt den deutschen Kollegen sein blankes Hinter­teil entgegen. Und während „BILD“ den formi­dablen Auftritt des Gegners ent­sprechend würdigt („Holland super“), titelt beim Nach­barn größte Tages­zeitung „De Telegraaf“: „End­lich Rache!“

11. Februar 1996
Bundes­liga, 18. Spieltag:


Hamburger SV – FC Bayern München 2:1 (0:1)

Siege gegen den FC Bayern? Schmecken „kalt gut“. Immer! Vielleicht, weil sie so selten vor­kommen. In wett­be­werbs- und anlass­über­greifend 63 An­läufen im Volks­park haben wir 15 derartige Festtage gezählt. Stell­ver­tretend dieser: Bundes­liga-Rück­runden­auftakt 1996. Hohe Erwartungen. Direkt­über­tragung im Free-TV. Knapp zehn Millionen sind via SAT.1 live dabei, fast 60.000 haben den Weg ins Volks­park­stadion gefunden und muckeln sich auf den Rängen der zugigen Beton­schüssel ganz dicht an­einander. Regen setzt ein, die vereisten Stufen werden zur Rutsch­bahn. Auf dem Platz kommt der HSV ins Schlittern. Die Bayern agieren eis­kalt, gehen durch Scholl nach einer halben Stunde in Führung und schaukeln, so scheint es, das Ergebnis in typischer Manier souverän über die Zeit. Doch der HSV kämpft bis zum Ende und wird belohnt: Jeweils auf Zuspiel des starken Karsten Bäron treffen André Breiten­reiter (85.) und Joker Uwe Jähnig (89., Foto) und verwandeln den „Eis­schrank Volks­park“ in einen brodeln­den Hexen­kessel. Schmeckte kalt gut …

13. September 2000
Champions League, Gruppen­phase:


Hamburger SV – Juventus Turin 4:4 (1:2)

Der HSV ist nach 17 Jahren zurück in der Königs­klasse und bekommt es im ersten Spiel der Gruppen­phase mit dem Star-En­semble von Juventus Turin zu tun. Der italienische Meister um Trainer Carlo Ancelotti ist mit Super­stars gespickt, gleicht mit Spielern wie van der Sar, Davids, Del Piero, Zidane & Co. einer Europa-Aus­wahl. Der HSV stellt dem haus­hohen Favoriten und seinem Star-En­semble folgende Herren ent­gegen: Groth, Butt, Yeboah, Hoogma, Panadic, Hertzsch / Cardoso, Kovac, Hollerbach, Barbarez (im Team-Foto, v.l.o. nach r.u.), später noch Töfting, Ketelaer und Präger: Diese 14 Rot­hosen liefern einen leiden­schaft­lichen Fight ab, kämpfen sich nach 0:1- und 1:3-Rück­stand auf drama­tische Art und Weise zurück und stellen die Partie in der 82. Minute mit dem 4:3-Führungs­treffer durch Niko Kovac end­gültig auf den Kopf. Der Volks­park rastet aus, Sitz­kissen fliegen durch die Luft und müssen an­schließend minuten­lang wieder einge­sammelt werden. Juve gelingt letztlich noch der Aus­gleich, sodass die Begeg­nung als „Jahr­hundert-Unent­­schieden“ in die Geschichts­­bücher ein­geht. Un­ver­­gess­lich!

19. Mai 2001
Bundesliga, 34. Spieltag:


Hamburger SV – FC Bayern München 1:1 (0:0)

Drama, Drama, Drama – mehr Thrill kann man nicht in die letzten Momente einer Saison packen: Bayern München und Schalke 04 liefern sich ein Fernduell im Kampf um den Bundesliga-Titel. Und der HSV ist das Zünglein an der Meister-Waage. Gewinnt Schalke daheim gegen Unterhaching, benötigt Bayern im Volkspark mindestens ein Unentschieden. In Gelsenkirchen werden die Hausaufgaben in herzinfarktverdächtiger Manier erledigt: Schalke siegt nach Rückstand noch mit 5:3. Dann geht es in Hamburg ab: Erst trifft Sergej Barbarez (Foto), macht sich zum Torschützenkönig und die parallel im Parkstadion gebannt zitternden Schalker zum Vier-Minuten-Meister. Dann: Rückpass Ujfalusi, Ballaufnahme Schober, Freistoßpfiff Dr. Merk. Tumulte, Getümmel. Effenberg tippt an, Andersson hämmert drauf, und der Ball findet in der Hamburger Mauer eine Lücke, wo eigentlich keine ist. 1:1, aus! Lähmendes Entsetzen und bittere Tränen auf Schalke, während im Volkspark die Bayern feiern.

10. Juni 2006
Welt­meister­schaft, Vor­runde:


Argen­tinien – Elfen­bein­küste 2:1 (2:0)

„Sommer­märchen“ in Deutsch­land, und Hamburg mitten­drin: Das Volks­park­stadion ist einer von zwölf Aus­tragungs­orten der Heim-WM, Kulisse für vier Gruppen­spiele sowie ein Viertel­finale. Gleich der Auf­takt am zweiten Turnier­tag kre­denzt einen sport­lichen wie atmo­sphärischen Höhe­punkt. Dabei machen bei Argen­tinien die Aller­größten gar nicht mit: Alt-Super­star Diego Armando Maradona feiert das be­rauschende Fuß­ball­fest auf der Tribüne, die kommende Legende Lionel Messi schmort 90 Minuten auf der Bank. Die, die spielen, sind aber auch absolute Welt­klasse: Hernan Crespo und Javier Saviola treffen für Argen­tinien, Didier Drogba (Foto. mit dem späteren HSVer Juan Pablo Sorin) ver­kürzt für den WM-Debü­tanten Elfen­bein­küste.

12. Mai 2010
Europa League, Finale:


Atletico Madrid – FC Fulham 2:1 n.V. (1:1, 1:1)

Schmerz­liche Erinnerung: Club-Ikone Uwe Seeler präsen­tiert den Pott im April bereits in Hamburg und trägt die Trophäe an diesem Abend auch auf den Rasen des Volks­park­stadions. Doch seine Nach­folger im HSV-Trikot dürfen nur zu­gucken, nicht anfassen. Der Platz für diesen Europa­cup bleibt leer in der HSV-Vitrine. 1982 vergeigen die Rot­hosen deutlich 0:3 gegen IFK Göte­borg, dies­mal kurz vorm ersehnten „Finale to hus“ ganz knapp mit 1:2 im Londoner Craven Cottage. Halb­final-Kon­kurrent FC Ful­ham liefert sich mit Atlético Madrid ein drama­tisches Finale. Held des Abends ist Diego Forlan, der mit seinem Doppel­­pack (32. + 116.) den ersten Europa­­cup-Sieg der Spanier seit 48 Jahren perfekt macht und den Volks­­park an diesem denk­­würdigen Final­­abend rot-weiß scheinen lässt.

21. April 2023
2. Bundes­liga, 29. Spiel­tag:


Ham­burger SV – FC St. Pauli 4:3 (1:1)

Exakt 100 Zweit­liga-Heim­spiele bis zum Er­­scheinen dieser HSV­live-Ausgabe. 58 Siege, 21 Remis und 21 Nieder­­lagen mit 201:113 Toren, Tiefen und Höhen, von Corona leer­­gefegte bis zu perma­nent und auf neuem Rekord-Niveau voll­­besetzen Tribünen und gran­diosen Choreos. Wir haben uns als Stell­­ver­­treter für diese Spiele der zurück­­liegenden sechs Jahre – kurz vor der Neu­­auf­­lage dieses Hamburger Klassikers – für ein Duell mit dem Stadt­­rivalen ent­­schieden. Sieben drama­­tur­gisch effekt­­voll ver­teilte Tore, darunter Jonas Davids Debüt zum Ein­­rahmen, und am Ende blau-weiß-schwarzer Pogo vor der Nord­­tribüne. „Augen­­blick, ver­­weile doch!“, möchte man rufen. Denn schön ist es, einzig­­artige Momente im Volks­­park­­stadion wie diesen zu er­­leben und zu genießen.