Im HSVlive-Magazin bewertet Trainer STEFFEN BAUMGART die Saisonvorbereitung, blickt auf die neue Spielzeit und erklärt, wohin der gemeinsame Weg führen soll.

„Steffen Baum­gart hatte noch gar keine Chance, mit dieser Mann­schaft eine Vor­bereitung zu absolvieren oder seine Vor­stellungen in einer Transfer­phase einzubringen, daher empfand ich es überhaupt nicht als HSV-like, den Trainer infrage zu stellen.“ So begann der neue HSV-Sport­vorstand Stefan Kuntz seine Antrittsrede im Juni 2024, in der er Coach Baum­gart demonstrativ den Rücken stärkte. Und so gingen Kuntz und Baum­gart gemeinsam mit dem Trainer­team, der sportlichen Leitung um Direktor Profi­fußball Claus Costa und dem Staff die Vor­bereitung auf die neue Saison an.

Die hatte es in sich, denn aufgrund der auch in Hamburg und damit im Volks­park­stadion statt­findenden Europa­meister­schaft waren Kreativität und Or­ganisations­vermögen gefragt, um die Vorbereitung auf den Saison­start optimal zu gestalten. Wie dies gelungen ist, welche Eindrücke Steffen Baum­gart hierbei ge­sammelt hat und mit welchen Erkennt­nissen und Gefühlen er nach seiner ersten HSV-Saison­vorbereitung die Spielzeit 2024/25 angeht, hat er im Interview verraten.

Arbeit im Team – das ist es, was Steffen Baumgart immer wieder antreibt. Sei es im Trainer­team, mit der sportlichen Führung um Stefan Kuntz und Claus Costa, mit seiner Mann­schaft – in der er speziell auch die jungen Spieler immer wieder coacht – oder im Zusammen­spiel mit den Fans, die den HSV bei Heim- und Auswärts­spielen ebenso wie in den Trainings­lagern begleiten und unter­stützen. Und ganz wichtig: Der Spaß soll bei aller Intensi­tät und Professionali­tät nicht zu kurz kommen. „Fußball ist Arbeit“, sagt Baum­gart, „aber Fuß­ball soll auch Spaß machen. Denn des­halb haben wir alle mal mit dem Fuß­ball ange­fangen: weil Fußball Spaß macht.“

Steffen, eine lange Saison liegt vor uns – und hinter euch liegen arbeits­reiche Wochen. Wie hast du die Vor­bereitung auf die neue Saison erlebt?

Die Jungs haben sehr gut mitge­zogen in dieser intensiven Vorbereitung. Die hatte in diesem Sommer für uns ja eine besondere Form, da wir auf­grund der Europa­meister­schaft kaum in unseren Bereichen und auf unseren Plätzen arbeiten konnten. Da­durch haben wir zwei Trainings­lager abge­halten und waren sehr lange von zu Hause weg, konnten hierbei aber gut arbeiten. Wir hatten top Bedingungen, die Mannschaft hat sehr gut trainiert und auch alle Menschen drum­herum haben alles gegeben. Aber natürlich war es speziell, kaum zu Hause und im vertrauten Umfeld zu sein.

Wo lagen die Schwerpunkte in der Trainings­arbeit?

Ein Schwerpunkt lag ganz eindeutig auf der Intensität, weil die zu unserem Spiel einfach dazugehört. Wie wollen wir verteidigen, wie wollen wir anlaufen – das sind Elemente, die für unsere Art Fußball wichtig sind. Und die finden stets in höchster Intensität statt. Wir haben die Dinge, die für uns dies­bezüglich relevant sind, alle­samt abge­deckt. Wie weit wir wirklich sind, werden dann aber die ersten Spiel­tage zeigen. Ich sage hierbei bewusst Spiel­tage, denn an einer Partie lässt sich nie die Arbeit einer ganzen Vor­bereitung ab­lesen, aber innerhalb der ersten Spiel­tage zeigt sich dann schon, inwie­weit wir die erarbeiteten Inhalte auch im Ernstfall umsetzen können.

Die Intensität hast du gerade ange­­sprochen. In Zahlen bedeutete dies Trainings­­ein­heiten von teil­weise bis zu zwei­ein­halb oder gar drei Stunden, und das in den aller­meisten Fällen zweimal am Tag.

Die Jungs haben das sehr gut ange­nommen, haben voll mitge­zogen und konzen­triert gear­beitet. Das ist natürlich das, was man sich als Trainer wünscht und was man sehen will. Denn so kann man Dinge entwickeln und verbessern. Für mich war das absolut positiv. Und eben­falls positiv war, dass wir kaum Ver­letzungen zu beklagen hatten. Natürlich hast du immer ein paar Dinge, die im Fußball einfach passieren, so dass jemand mal ein paar Tage aussetzen muss, aber wir sind ohne gravierende Ver­letzungen durch diese Zeit gekommen und konnten parallel auch diejenigen Spieler, die ange­schlagen oder noch nicht mit 100 Prozent in diese Vorbe­reitung gegangen sind, weiter ans Team heran­führen. Und auch die jungen Spieler, die wir dabei hatten, haben ihre Sache sehr gut gemacht.

Auffällig war auch, dass ihr zusätzlich zu den Ein­heiten auf dem Rasen auch häufig in Sitzungen und Schulungen zusammengesessen habt. Was ist hierbei der Hintergrund?

Wir haben auch viel abseits des Platzes miteinander gear­beitet, haben gesprochen und Dinge voran­getrieben, um das auf dem Platz Erarbeitete zu vertiefen. Für uns geht es dabei darum, zu besprechen, wie wir arbeiten und wie wir die Dinge entwickeln wollen. Und auch darum, immer wieder zu analysieren, was wir auf dem Platz schon gut machen, wo wir uns noch verbessern können und wie wir gemein­sam dahin­kommen, wo wir hinwollen.

Welche Fortschritte hast du in den ersten Wochen dieser Saison schon erkennen können?

Ich finde es immer etwas schwierig, direkt nach einer Vor­bereitung ein solches Fazit zu ziehen, denn erst mit dem Saison­start geht es so richtig los. Dann können wir innerhalb der ersten Spiele gegen unter­schiedlich agierende Gegner sehen, wie gut wir uns ent­wickelt haben, wie gut die Dinge schon funktionieren und wie sehr die einzelnen Rädchen ineinander­greifen. Ich bin aber sicher, dass wir gute Leistungen zeigen werden. Wichtig ist nur, dass auch die Ergeb­nisse ent­sprechend aus­fallen.

Die Arbeit der Mann­schaft auf dem Platz hast du ange­sprochen, aber wie nimmst du das Team drum­herum wahr? Viele Spieler haben den Spirit hervor­gehoben.

Ich finde die Stimmung innerhalb der Mannschaft ebenfalls sehr positiv. Ich sehe die Jungs miteinander arbeiten, miteinander agieren und auch miteinander lachen. Das ist absolut positiv, und das nicht nur, weil positiv ein so schönes Wort ist. Sondern ich empfinde das tatsächlich so, weil ich merke, dass ein Miteinander stattfindet. Aber auch hier gilt: Wie gut du als Mannschaft wirklich funktionierst, zeigt sich erst im Laufe des Saison­starts. Näm­lich dann, wenn der Stress kommt, wenn die Hektik rein­kommt, wenn der Druck da ist und wenn vielleicht auch mal Ergebnisse ausbleiben und man Negativ­erlebnisse mit­einander verar­beiten muss.

Siehst du die Mann­schaft hierfür gut gewappnet?

Eine gute Vor­bereitung hilft dir immer, sie gibt dir ein gutes Gefühl und sorgt dafür, dass du positiv in die ersten Spiele gehst und auch nicht gleich beim leisesten Lüftchen um­fällst. Dement­sprechend können wir optimistisch in die nächsten Wochen gehen.

Zum Saisonstart stand mit der Partie beim 1. FC Köln gleich ein besonderes und viel beachtetes Spiel an.

Wir haben unseren Weg eingeschlagen und den gehen wir gemein­sam. Das erste Spiel ist dabei immer eine Standortbestimmung, aber eines habe ich in den vielen Jahren als Spieler und Trainer gelernt: Du steigst mit dem ersten Spiel nicht auf und du steigst mit dem ersten Spiel auch nicht ab. Du musst kontinuierlich deine Leistung bringen, kontinuierlich Ergeb­nisse ein­fahren und so oft wie möglich ans Maximum kommen. Das ist das, was wir wollen, das ist unser gemein­sames Ziel. Denn viele Mann­schaften in dieser Liga haben große Ambi­tionen, genau wie wir. Und diese Ambitionen wollen wir mit Leistung und Ergeb­nissen untermauern. Es geht um Kontinuität, denn eine Saison ist lang und besteht nicht nur aus dem ersten Spiel.