Nachts um drei …
Mit der Erfahrung von mehr als 300 Profi-Spielen kommt SILVAN HEFTI in den Volkspark. Mit seiner Mentalität und Erfahrung möchte er entscheidend dazu beitragen, nicht nur die Rechtsverteidiger-Position optimal auszufüllen, sondern am Ende auch allen Widrigkeiten zu trotzen und als HSV das große Ziel zu erreichen.
Es gibt diese Typen im Fußball, denen kannst du nichts vormachen. Abgezockt, nannte man das früher, oder man bezeichnete sie als Haudegen oder Schlitzohr. Über diese Typen haben sich schon früher Fußball-Ikonen wie Franz Beckenbauer gefreut, der beispielsweise einst von Olaf Thon schwärmte: „Den kannst du nachts um drei Uhr wecken und ihm sagen: ‘Olaf, Elfmeterschießen, der entscheidende Elfer.‘ Und Olaf würde sagen: ’Kein Problem.‘ Und dann aufstehen und ihn verwandeln.“
Ganz drei Uhr nachts war es nicht, als Silvan Hefti Anfang August im Volksparkstadion ankam, seinen Vertrag unterzeichnete und anschließend noch einmal seinen neuen Arbeitsplatz inspizierte. Aber zumindest war es schon ganz schön schummrig und der Innenraum des Volksparkstadions wurde in einen skurrilen Mix aus Licht und Dämmerung getaucht. Hefti nahm sich trotzdem den mitgenommenen Ball und begann zu jonglieren. Er hätte es auch ein paar Stunden später nachts um drei Uhr ebenso gut hinbekommen.
„Silvan hat in den verschiedensten höchsten internationalen Spielklassen sehr viel Erfahrung gesammelt“, hebt Direktor Profifußball Claus Costa die Vorzüge des neuen Rechtsverteidigers hervor. Und in der Tat: Mehr als 300 Profi-Spiele hat der 26-jährige Schweizer bislang absolviert, rund 200 davon in seinem Heimatland, fast 100 in Italien und Frankreich, und hinzu gesellen sich auch noch 25 internationale Partien in Europa League und Champions League. Solch einem Spieler machst du nicht mehr viel vor, nach mehr als 300 Partien auf höchstem Niveau hat man nahezu alles erlebt, jede Drucksituation, jede denkbare Skurrilität, jede Emotion. Im Falle von Silvan Hefti bedeutet Letztes insbesondere: Meister in der Schweiz, aber auch Absteiger in Italien – und direkt wieder Aufsteiger in die Serie A nur ein Jahr später. Wie gesagt: alles erlebt. Gute Grundvoraussetzungen für den Job in Hamburg.
Der HSV – „überragender Club, aber nicht das einfachste Pferd“, wie es der neue Sportvorstand Stefan Kuntz ausdrückt. Oder wie Trainer Steffen Baumgart sagt: „Für den HSV bedeutet eine erfolgreiche Saison, am Ende aufzusteigen. Etwas anderes kannst du an diesem Standort gar nicht verkaufen.“ Eine gewisse Erwartungshaltung und damit einhergehend ein adäquates Druck- und Stresslevel sind hier oben im Norden also vorhanden. Und in diesem Umfeld braucht es dann eben Typen, die dem Ganzen standhalten. Weil sie vom Charakter her einfach so ticken, und weil sie ähnliche Situationen schon erlebt und im besten Fall auch gemeistert haben. So wie Silvan Hefti, den Costa als „hochprofessionellen und absolut verlässlichen Spieler“ beschreibt, „er möchte und soll Verantwortung übernehmen.“ Qua Erfahrungsschatz zum Führungsspieler.
Für Hefti selbst ist das kein Problem. Im Gegenteil, es ist sogar sein Anspruch. Der Rechtsverteidiger mit offensiver Power will direkt eine wichtige Rolle einnehmen, denn für ihn ist der Wechsel zum HSV nicht irgendein weiterer Schritt in seiner Karriere, sondern ein ganz bewusst ausgewählter. Und dies auch trotz der Tatsache, dass er ihn in die 2. Liga führt. „Ich habe mich für den HSV entschieden, weil der Verein noch immer eine besondere Strahlkraft besitzt und ich den großen Ehrgeiz habe, Teil davon zu sein und dabei mitzuhelfen, den HSV wieder in die Bundesliga zu bringen“, macht der in der Nähe des Bodensees im Schweizer Kanton St. Gallen geborene und aufgewachsene Rechtsfuß seine Ambitionen deutlich. Neben Offensivaktionen auf dem rechten Flügel und defensiver Stabilität will Hefti hierfür vor allem auch seine Mentalität einbringen: „Ich möchte meinen Siegeswillen in die Mannschaft einpflanzen, um gemeinsam als Team und als Club erfolgreich zu sein und das große Ziel zu erreichen.“ Nach mehreren missglückten Versuchen weiß man als HSVer: Dafür braucht es wahrlich besondere Typen. Und dazu zählen eben auch jene, die du nachts um drei wecken kannst. Zum Elfmeterschießen oder zum Ballhochhalten.














