»Der Kleinste muss in die Kiste!«

In der Rubrik „Meine Wurzeln“ spricht in jeder Ausgabe ein HSVer über seine Anfänge als Fußballer. Dieses Mal: Torhüter TOM MICKEL.

Eigentlich verdanke ich es meinem großen Bruder Erik, dass ich zum Fußball gekommen bin. Er ist vier Jahre älter als ich. Als er acht war, fing er an, mich mitzunehmen, wenn er sich mit seinen Freunden zum Kicken getroffen hat. Da ich mit meinen vier, fünf Jahren in der Runde mit Abstand der Jüngste war, haben mich die Großen ins Tor gestellt, wie es ja meist so ist. Der Kleinste muss in die Kiste, Klassiker! Für mich war das aber völlig okay, ich war froh, dass ich überhaupt mitspielen durfte. 

So fing alles auf dem Bolzplatz an, ehe ich dann etwas später auch bei meinem Bruder im Verein angefangen habe, beim FSV Hoyerswerda. Auch nach der Schule sind wir immer direkt losgezogen, wir hatten einen kleinen Platz mit Handballtoren, da hat sich die ganze Nachbarschaft getroffen. Alle Kinder waren dabei, da war jeden Tag volles Programm. Auch zu der Zeit habe ich oft im Tor gestanden, habe aber auch gern im Feld gespielt. Es hat sich dann aber herauskristallisiert, dass ich ein recht guter Torhüter werden könnte. Als ich zwölf war, hat sogar Dynamo Dresden angefragt und ich habe dort mittrainiert, aber meine Eltern und ich waren nicht so begeistert von dem System und den langen Wegen. Also bin ich bei meinem kleinen FSV Hoyerswerda geblieben.

Erstes Trikot 

Mein großes Vorbild war damals Stefan Klos. Von dem war mein erstes Trikot – obwohl es eigentlich gar kein richtiges war. Meine Eltern haben mir damals ein Trikot ohne Auf­druck geschenkt, auf das mein Bruder mir mit Edding hinten eine 1 und den Namen Klos drauf­geschrieben hat, damit ich als großer Fan und Torhüter auch ein Torwart­trikot habe. Mein Bruder hat sich immer um mich gekümmert, speziell nachdem sich meine Eltern getrennt hatten, als ich acht Jahre alt war. Er war ab da der Mann im Haus und hat mich immer überall mit hinge­nommen. Ich bin ihm sehr dankbar und wir haben bis heute ein tolles Verhältnis.

Kurz darauf hat sich dann aber alles verändert. Es gab in den neuen Bundes­ländern einen Schulwett­bewerb, den soge­nannten Coca Cola-Cup, bei dem die besten Schulen der sechs Bundes­länder gesucht wurden und sich dann zum großen Finale trafen. Dort durfte als Tor­wart unserer Schule mit, weil der eigentliche Keeper mittlerweile zu alt geworden war. Ich habe dort dann im Tor gestanden, wurde anschließend sogar zu einem der besten Einzel­spieler des Turniers gekürt und durfte als Belohnung mit der Sieger­mannschaft nach Mexiko reisen. Trainiert wurde dafür auf dem Gelände von Energie Cottbus, wo auch immer die Trainer der Landes­verbände zuge­schaut haben und auf der Suche nach Talenten waren. So wurde ich von der Landes­auswahl Branden­burg und auch von Energie Cottbus entdeckt und bin dorthin auf die Sport­schule und ins Internat gewechselt. Meine Eltern waren davon nicht sonderlich begeistert, ich war damals schließlich erst 13 Jahre alt. Aber Cottbus war nur 40 Kilometer von meinem Zuhause in Hoyers­werda entfernt – wenn es mal gebrannt hat, dann war die Familie nicht weit. 

In ganz jungen Jahren stand Tom Mickel nicht nur im Tor, sondern machte auch im Feld eine gute Figur.

Heimatverein

Tom Mickel begann bei seinem heimischen FSV Hoyerswerda mit dem Fußballspielen. Den Verein gibt es so heute gar nicht mehr, dabei klopfte man Ende der 90er Jahre sogar an die Tür zum Profifußball, zog aber am Ende in der Relegation den Kürzeren gegenüber TeBe Berlin. Der Verein wurde später umbenannt in FC Lausitz Hoyerswerda, mittlerweile gab es aber einen Vereinszusammenschluss, so dass der Club heute als Hoyerswerdaer FC an den Start geht – und das in der 8. Liga, der Kreisoberliga Westlausitz. 

Aber selbst in dieser Zeit hatte ich nicht das große Ziel vor Augen, irgendwann einmal Bundesliga-Spieler zu werden, auch wenn Energie damals sogar 1. Liga gespielt hat. Ich fand es einfach cool, dass es den ganzen Tag um Fußball ging. Das war eine geile Zeit! Aus meinem Umfeld haben es auch noch Martin Männel, Arne Feick und Dani Schahin später in den Profisport geschafft. Martin Männel war am Ende sogar der Grund, warum ich Cottbus verlassen habe und zum HSV gewechselt bin. Er war nämlich ein Jahr älter als ich und wurde ein Jahr früher zu den Profis von Energie Cottbus hochge­zogen. Der damalige Trainer hat ihn aber auch sehr schnell wieder weggeschickt, weil er ihm und den damaligen Verant­wortlichen zu klein war. Ich bin nur unwesentlich größer als Martin, deshalb war mir klar, dass ich mit meiner Größe ebenfalls keine Chance haben werde. Und zu genau der Zeit kam die Anfrage vom HSV. Das war das erste Mal, dass ich mich ernsthaft damit auseinandergesetzt habe, wirklich den Sprung in den Profi­fußball schaffen zu können. Ich hatte zwar immer auch in den deutschen Jugend-National­mannschaften gespielt, aber trotzdem war das Thema für mich irgend­wie immer noch sehr weit weg – und dann wurde es plötzlich konkret. Ich habe aber noch brav mein Abitur gemacht und hatte sogar gerade die Zusage für einen Ausbildungs­platz bekommen, habe mich dann aber für den HSV und das Abenteuer Profi­fußball entschieden. Ich wollte es einfach probieren und bin natürlich mega glücklich, dass es geklappt hat und ich bis heute Teil des HSV sein darf.