»Als ich anfing, war ich viel schlechter als die anderen Jungs«

In der Rubrik „Meine Wurzeln“ spricht in jeder Ausgabe ein HSVer über seine Anfänge als Fußballer. Dieses Mal: der Hamburger Jung JOSHA VAGNOMAN.

„Ich kann mich noch sehr gut erinnern, wie ich als Kind zu Hause immer gekickt habe und dass dabei sicherlich auch mal das eine oder andere zu Bruch gegangen ist. Meine Eltern haben mich dann mit acht Jahren im Verein angemeldet. Wir haben damals im Hamburger Stadt­teil Poppen­büttel gewohnt und nicht weit entfernt lag die Sport­anlage Tegels­barg, auf der der SC Poppen­büttel zu Hause ist. Dort gab es einen Rasen- und einen Grandplatz. Als wir ganz klein waren, mussten wir oft auf dem Grand­platz kicken – da konnte man sich abends schön die kleinen Steinchen aus den Knien pulen… Als ich dort anfing, war ich wirklich schlecht, viel schlechter als die anderen Jungs. Die hatten schon ein oder zwei Jahre im Verein gespielt, ich hingegen nicht und ich konnte zu Beginn nicht mithalten. Aber ich habe dann sehr schnell aufgeholt und nach einem Jahr hatte ich schon das Gefühl, dass ich in der Mann­schaft eigentlich alles spiele. Ich habe hinten die Tore verhindert und vorn welche geschossen, da habe ich schon gemerkt, dass ich Talent habe. 

Erstes Trikot 

Mein erstes Trikot habe ich von meinem Vater geschenkt bekommen. Es war ein Trikot der National­­mannschaft der Elfen­beinküste, dem Heimat­­land meines Vaters, in dem er selbst Profi war. Mit einer Rücken­nummer oder einem Namen war es nicht beflockt, aber das hat mir nichts ausge­macht, ich war auch so extrem stolz auf dieses Trikot.

Ich bin dann recht schnell zum Hummels­bütteler SV gewechselt, allerdings nach einem knappen Jahr schon wieder weitergezogen – zum HSV. Ich hatte nämlich an den Arriba Tryouts teilge­nommen. Das sind die großen Talent­tage, bei denen man als Spieler aus anderen Vereinen beim HSV vorspielen darf. Beim ersten Mal hat es noch nicht gereicht, aber ich durfte im Jahr danach noch einmal wieder­kommen – und wurde dann genommen. So habe ich beim HSV alle Jugend­mannschaften durchlaufen, seit ich elf war. Dazu kam später die Hamburger Auswahl, dann die Jugendnational­mannschaften und als Krönung im März 2018 mein erster Einsatz bei den Profis gegen den FC Bayern München. Damit ist für mich natürlich ein Traum in Erfüllung gegangen. Und für meine Familie auch. Die hat mich nämlich immer und überall unterstützt, mich überall hinge­fahren und mir alles ermöglicht. Und auch für meine Freunde war es cool, auch wenn ich für sie jetzt nicht der Bundesliga-Spieler war, sondern immer noch der Josha. Aber sie haben sich sehr für mich gefreut, denn die meisten von ihnen kenne ich schon sehr lang und sie sind den ganzen Weg mit mir gegangen. 

Heimatverein

Der SC Poppen­büttel wurde 1930 als Fußball­verein gegründet, ab 1949 aber wurden die Aktivitäten auch auf andere Sport­arten ausgedehnt und der Club wurde zu einem der größten Sportvereine Hamburgs. Die 1. Herren­mannschaft spielt aktuell in der Hamburger Bezirksliga, während die Tischtennis­abteilung das eigentliche sportliche Aushänge­schild darstellt: Anfang der 2000er spielte der SCP in der 2. Bundes­liga und stieg sogar in die 1. Bundes­liga auf, verzichtete aber aus finanziellen Gründen auf diesen Aufstieg und spielt derzeit in der Regional­liga Nord.

Mein schönster Augen­blick aber war in dieser Saison, als ich mein erstes Tor im Profi­fuß­ball geschossen habe. Dieses Tor im Heimspiel gegen Aue, diesen Moment und diesen Jubel im Volks­park­stadion werde ich niemals vergessen. Ich habe das alles sehr bewusst wahrge­­nommen und aufge­saugt, denn das war ein absolut spezieller Augenblick. Ich hoffe, dass es so weiter­geht und dass ich nach meiner hoffentlich bald beendeten Verletzungs­­pause noch viele solcher Momente erleben werde. Wir haben hier beim HSV ein Trainer­team, das sich sehr stark um die jungen Spieler kümmert und uns extrem weiter­bringt. Darauf freue ich mich und auf alles, was noch kommt.“

Josha Vagnoman als Jugend­spieler des HSV bei einem Hallen­turnier gegen den FC Bayern München.