HSV-Torhüter DANIEL HEUER FERNANDES spricht im HSVlive-Interview über die bisherige Saison, seine persönliche Entwicklung sowie die Anforderungen und Ziele für die verbleibenden 16 Saisonspiele.

Torhüter stehen immer im Fokus, immer im Mittelpunkt. Held oder Depp – dazwischen gibt es nicht viel bei den Männern zwischen den Pfosten. Bei den Rothosen füllt seit Saisonbeginn Daniel Heuer Fernandes diese Rolle aus. Wie der 27-jährige Deutsch-Portugiese sein erstes Halbjahr beim HSV einschätzt und was es seiner Meinung nach braucht, um am Ende die selbst gesteckten Ziele zu erreichen, erklärte er im ausführlichen Gespräch während des Portugal-Trainingslagers.

Daniel, die zweite Saisonhälfte steht vor der Tür. Wie verlief eure Vorbereitung auf die verbleibenden 16 Spiele?
Die Vorbereitung nach der kurzen Weihnachtspause lief gut, insbesondere das Trainingslager war für uns optimal. Wir hatten in Portugal perfekte Bedingungen und konnten uns bestmöglich auf die kommenden Wochen und Monate vorbereiten. Tolle Betreuung im Hotel, die Trainingsplätze direkt vor der Tür – so konnten wir den Fokus voll auf das Training legen und perfekt arbeiten.

Welche Rolle spielt zudem der spezielle Trainingslager-Geist?
Eine wichtige, denn das Trainingslager ist ja auch dafür da, dass man neben den guten Trainingsbedingungen die Möglichkeit hat, auch abseits des Platzes als Team noch einmal enger zusammenzurücken. Sei es durch gemeinsame Abende im Hotel oder auch mal Wettbewerbe an der Tischtennisplatte oder dem Kickertisch. Solche vermeintlichen Kleinigkeiten schweißen zusammen, gemeinsame Erlebnisse stärken das Wir-Gefühl. Dafür haben wir die gemeinsame Zeit ebenso genutzt wie für viele Gespräche untereinander oder Besprechungen mit der ganzen Mannschaft. Insofern konnten wir die Zeit optimal nutzen, um in der Rückrunde als Team noch geschlossener aufzutreten. Darauf hat uns das Trainerteam und darauf haben wir alle gemeinsam uns eingeschworen.

Welche fußballerischen Aspekte standen im Mittelpunkt der Vorbereitung?
Wir haben konzentriert gearbeitet, um an den Schwächen zu feilen, die sich in der Hinserie aufgetan haben. Zwei Drittel der Hinrunde waren sehr gut, wir sind äußerst dominant aufgetreten und haben zurecht sehr viele Punkte geholt, doch diese Dominanz ist uns zum Ende der Hinrunde leider etwas abhandengekommen. Deshalb haben wir intensiv daran gearbeitet, defensiv wieder kompakter zu stehen, weniger zuzulassen und gleichzeitig dem Gegner unser Spiel aufzuzwängen und so in der Offensive wieder durchschlagskräftiger zu werden. So wie zu Beginn der Saison.

Es war für dich persönlich dein erstes Halbjahr beim HSV, wie fällt hierfür dein Fazit aus? Hat sich dein Torwartspiel verändert im Vergleich zu vorher?
Du musst als Torhüter in jedem Spiel total fokussiert und zu 100 Prozent da sein. Abschalten gibt es nicht, auch wenn man in einer Phase des Spiels mal weniger zu tun bekommt, man muss trotzdem jederzeit auf den Punkt da sein. Das ist sicherlich die größte Veränderung in meinem Spiel, seit ich zum HSV gewechselt bin, da wir als zumeist spielbestimmende Mannschaft weniger Aktionen vor dem eigenen Tor haben, während ich bei meinen vorherigen Stationen manchmal so ein bisschen unter Dauerfeuer stand, wodurch man dann sowieso die ganze Zeit unter Spannung steht.

Hat dich der Wechsel zum HSV insofern auch persönlich vorangebracht, weil er deinem Torwartspiel nochmal eine neue Komponente verleiht?
Natürlich bringt es eine neue Komponente in mein Spiel, das ist definitiv so. Aber man darf das insgesamt nicht zu hoch hängen, im Kopf spielt sich das Spiel dennoch gleich ab, unabhängig davon, wie viel man als Keeper zu tun bekommt und wie viele Aktionen man hat. Für mich sind es eher andere Aspekte, die neu sind und durch die ich mich weiterentwickle: ein größerer Verein, ein größeres Stadion, eine größere Aufmerksamkeit. Einfach ein Club, der den totalen Fokus hat. Diesen Reiz und diese Aufgabe habe ich gewollt und gesucht. Und ich bin auch zufrieden mit der bisherigen Zeit und der Entwicklung, aber ich weiß, dass diese Entwicklung noch lange nicht vorbei ist. Deshalb brenne ich so sehr auf die Rückrunde, in der ich persönlich und mit der Mannschaft die nächsten Schritte machen möchte.

Auf dem Platz bist du also voll und ganz in Hamburg und beim HSV angekommen. Gilt das auch für dein Privatleben?
Absolut, es ist uns nicht schwergefallen, wir sind sehr gut in Hamburg angekommen. Hier kann man sich ja auch nur wohlfühlen. Entscheidend ist aber die sportliche Komponente, die war und ist für mich ausschlaggebend.

Hierbei spielt deine tägliche Arbeit mit Torwarttrainer Kai Rabe eine zentrale Rolle. Wie würdest du Kai und euer manchmal sehr spezielles Training beschreiben?
Kai ist ein absolut positiv verrückter Typ. Er gibt uns Torhütern sehr viel, verlangt aber entsprechend auch extrem viel von uns in puncto Einsatz und Bereitschaft. Dafür kann man sich unter ihm wirklich enorm weiterentwickeln, denn er hat immer viele neue Übungen und neue Reize, die er setzt. Zum Beispiel kognitive Übungen, das heißt: schnell sein, mit dem Körper, aber auch im Kopf. Wir kriegen bei diesen Trainingsformen parallel zu den Torwartübungen auch noch Aufgaben gestellt. Rechnen, Buchstabieren oder auch Obst- und Gemüsesorten aufzählen. Das klingt jetzt vielleicht lustig, ist aber eine große Aufgabe. Denn das parallel abzurufen, verlangt einem ordentlich etwas ab, bringt aber auch echt viel und macht zudem auch noch großen Spaß.

Daniel Heuer Fernandes und Torwarttrainer Kai Rabe verbindet der große Ehrgeiz, immer den nächsten Schritt zu machen und die nächste Stufe zu erreichen. 

Den sieht man euch im Torhüterteam im Training an. Wie schmal ist der Grat zwischen Konkurrenzkampf und Kollegialität?
Ich finde es total wichtig, dass man Spaß im Training hat, auch wenn man sich natürlich im Konkurrenzkampf befindet. Ich habe das auch auf meinen vorherigen Stationen versucht vorzuleben, weil ich überzeugt bin, dass man sich in der Gruppe der Torhüter gegenseitig fördern und pushen kann und auch muss. Weil es um den Erfolg der Mannschaft geht. Und weil auch alle Keeper am meisten davon profitieren, wenn man gut und gezielt im Team zusammenarbeitet. So bringen wir uns gegenseitig voran, so wird jeder von uns besser. Ich finde, dass wir diese Form des gesunden Konkurrenzkampfes im Torhüterteam sehr gut leben. Davon profitieren wir und damit auch die Mannschaft.

Rabe lässt sich hierbei für seine Keeper immer wieder neue Übungen einfallen und setzt so permanent neue Reize, die das Torhüterteam um Daniel Heuer Fernandes stets vor Aufgaben stellen. 

Damit am Ende das große Ziel erreicht wird.
Genau. Wir haben uns in den bisherigen Spielen – trotz der kleinen Schwächephase am Ende – in eine insgesamt ordentliche bis gute Position gebracht. Die wollen wir jetzt in den kommenden Wochen und Monaten ausbauen und veredeln. 

Wie gehst du oder auch ihr als Mannschaft mit diesem Druck um?
Ich empfinde es als positiven Druck, als guten Druck. Und der kommt ja nicht nur von außen, sondern wir selbst stecken uns ja auch hohe Ziele. Wir haben alles selbst in der Hand und wissen um das Potenzial, das wir jetzt in den schweren Spielen der Rückrunde wieder vollständig abrufen müssen. Dazu zählt auch, dass wir es wieder öfter schaffen, unsere Partien zu Null zu spielen. Das ist natürlich auch speziell für mich ein Ziel, denn da schaut man als Torwart schon drauf. Aber im Vordergrund steht natürlich der Erfolg als Team. Und da wissen wir alle, was wir in diesem Jahr erreichen wollen.

Damit am Ende das große Ziel erreicht wird.
Genau. Wir haben uns in den bisherigen Spielen – trotz der kleinen Schwächephase am Ende – in eine insgesamt ordentliche bis gute Position gebracht. Die wollen wir jetzt in den kommenden Wochen und Monaten ausbauen und veredeln. 

Wie gehst du oder auch ihr als Mannschaft mit diesem Druck um?
Ich empfinde es als positiven Druck, als guten Druck. Und der kommt ja nicht nur von außen, sondern wir selbst stecken uns ja auch hohe Ziele. Wir haben alles selbst in der Hand und wissen um das Potenzial, das wir jetzt in den schweren Spielen der Rückrunde wieder vollständig abrufen müssen. Dazu zählt auch, dass wir es wieder öfter schaffen, unsere Partien zu Null zu spielen. Das ist natürlich auch speziell für mich ein Ziel, denn da schaut man als Torwart schon drauf. Aber im Vordergrund steht natürlich der Erfolg als Team. Und da wissen wir alle, was wir in diesem Jahr erreichen wollen.